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NAD 3020 "Low Budget Legende"
#1
Ich sage es gleich vorweg: Geräte des Herstellers NAD haben -vorsichtig formuliert- niemals meine Beachtung gefunden. Alleine schon wegen den vielen "blöden"
Geschichten, die man in der Fachpresse oder Foren über sie lesen kann, wenn man es darauf anlegt.
Hifiijournalismus ist ohnehin eine Sache, die mich stets relativ früh aus der Reserve lockt, da es in diesem "Fach" anscheinend darum geht, zu jedem noch so uninteressanten, stinknormalen Gegenstand  eine aufgequollene, verblümte Revolverstory zu verfassen.

Und so war es damals auch beim NAD 3020, der zwar nur 299,- DM kostete, bei dem aber  "best buy for the money" noch eine der harmlosesten und erträglichsten Eigenschaften war, die man ihm andichtete. Warmer angenehmer Klang...eine Fülle an Klangfarben und sogar die Eigenschaft, gut zu musizieren habe ich als angebliche Eigenschaft noch in Erinnerung.

Das Gerät wurde afaik ab 1979 verkauft, und das hier vorhandene Gerät ist aus dem Jahr 1982. Das sagt mir der Datecode auf diversen Halbleitern. Es spielt seit 20 Jahren in einer Garage Musik, wenn dort geschraubt wird, und jetzt gibt es die ersten handfesten Wackler im Signalquellenschalter.
Nachdem die behoben waren, habe ich mir aus Interesse noch 5 Minuten genommen, um 6 Elkos stichprobenartig zu überprüfen. Darunter auch einen der vier Netzelkos.

Hier gab es nichts zu beanstanden. Auch  kleinere Typen waren absolut OK. (hier ein 2200er) . Will man dem Gerät "was Gutes" tun, und kauft vier neue, hat man vermutlich etwas weniger Kapazität als vorher, und einen ESR der sicher nicht niedriger liegt.

[Bild: oswjYx3h.jpg]

Das Gerät ist nicht mehr wohnzimmertauglich...Deckel und Front sich nicht mehr schön.....Aber....wirklich schön war das Gerät m.E. auch als Neugerät nicht gewesen. Wink3

[Bild: 75bA2Jah.jpg]

Durchdacht ist m.E. das liegende Anschlussfeld. Auch das Layout ansich kommt weitgehend ohne Kabel aus. M.E. ein echter Pluspunkt.

[Bild: JNUyjiUh.jpg]

Klassisches Layout....ordentlich gemacht.

[Bild: 9bUbltLh.jpg]

Die Endstufe mit den uralten Töpfen 2N3055 und 2955. Dass man damit keine Wunderspecs erreicht, ist schon im Vorfeld zu erwarten.
Es gibt ausser Schmelzzicherungen im Netzteil keine elektronische Schutzschaltung gegen DC oder sonstige "Fehler". Wenn der Strom in der Lautsprecherleitung zu groß wird, schaltet pro Kanal ein Bimetallschalter die Last ab.
Während der Messung an vier Ohm musste der Schalter gebrückt werden, weil das sonst (im Maximum) nicht geklappt hätte. Also schon ziemlich praxisgerecht ausgelegt.

[Bild: 1ZibuHth.jpg]


Die Potentiometer (auch das für die Lautstärke) könnten in dieser Form auch aus einem Henkelmann stammen. 50 Pfennig/Stück. Eben ein Budgetgerät wie viele andere.

[Bild: ps1LZaxh.jpg]


Das "Geheimnis" des besonderen Klangs  -sofern es denn überhaupt jemals eines gab- , liegt im "soft clipping" Schalter auf der Rückseite. Da "soft clipping" eigentlich was gutes sein muss, war der Schalter -vermutlich- in den meisten Fällen eingeschaltet....Und dieser Schalter hat es in sich....Er macht das Gerät in der Tat "einzigartig".

Nun muss ich zugeben, dass ich nicht mit absoluter Sicherheit behaupten kann, dass das alles noch so funktioniert, wie´es ursprünglich gedacht war, aber da die Effekte auf beiden Kanälen (beinahe) identisch ausfallen, und es -auch in diesem Bereich- keine meßbare Bauteilalterung ( einige 47µF Elkos) gibt, gehe ich erstmal davon aus. Auch die +/- 20V stehen an.

Ich habe die meisten Messungen einmal MIT , und einmal OHNE "soft clipping" durchgeführt. 

Beim soft clipping wird die Amplitude "sanft" mit eher weichen Rundungen reduziert, wenn die Spannung ein gewisses Maß erreicht. Hartes Clipping schneidet die Spitzen hingegen eher "scharfkantig" ab, was zu einem anderen Oberwellenspektrum führt.

Im Fall dieses NAD beginnt das soft clipping aber bereits sehr früh. Also schon während das Gerät eigentlich noch in einem Bereich arbeitet, in dem es keinen Grund für eine Begrenzung gäbe...Was verschlimmernd hinzukommt ist der Umstand, dass das nicht symmetrisch von statten geht, und die positive Amplitude deutlich stärker begrenzt wird.
Bereits bei etwa 16W /8R sieht das so aus, während es bei bereits 10 W/8R leicht einsetzt.
[Bild: WAMzmqkh.jpg]

Weitere Messungen ergaben, dass das Gerät -auch wegen der mittlerweile höheren Netzspannung deutlich mehr leistet, als es die specs beschreiben. Das ist aber eher üblich als eine Ausnahme.

Leistung 1KHz an 8 ohm: Die höheren Werte L&R ohne soft clipping, die niedrigeren mit aktivierter Schaltung.

[Bild: ONTa9Glh.gif]

Nochmal an 4 ohm mit gebrückten Bimetallschaltern Wink3

[Bild: ALgDjUXh.gif]


Spektrum 1KHz , etwa 12W in 8R...einmal mit SC (rot) und ohne (grün)...schon heftig...

[Bild: vxDRHVch.gif]

CCIF Intermodulation ebenso extrem...wieder etwa 12W/8R
(Farben diesmal durch Unachtsamkeit genau andersherum)

[Bild: ppMTY4vh.gif]

Frequenzgänge 8R 4R und die LS sim: Leichte Anhebung im Baßbereich. Nicht sonderlich breitbandig.

[Bild: n16DfEPh.gif]

Und das Phonoteil: Unkritisch...verträgt locker 200 pF an zusätzlicher Kapazität. Die Entzerrung haut zur ohnehin vorhandenen leichten Baßbetonung nochmal ein halbes dB drauf.
Rot: Entzerrung alleine, grün mit Normsystem +20 pf, die anderen beiden +120 und +220 pF
Gemessen am "Pre-Out Ausgang" ohne Endstufe, aber mit Klangregelteil

[Bild: ughQREah.jpg]


[Bild: DQb8ZCuh.gif]

Ein Bekannter und ich haben sich das Gerät sogar vorhin mal an zwei Studiomonitoren angehört...im Nahfeld. Dabei haben wir auch mal mit Softclipping gespielt, aber um 12 Watt zu erreichen, muss man besonders im Nahfeld schon ganz schön laut aufdrehen....Echte "Besonderheiten" konnten wird ohne SC auf jeden Fall nicht feststellen, und (wir) konnten dem Gerät auch keinen "besonders guten Klang" bestätigen.....Wer hätte (von uns) auch was anderes erwartet? Wink3

Wie auch immer...... Deckel drauf und wieder ab in die Garage....wo er hingehört Wink3
Gruß
scope
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#2
Was für ein Bolide mit riesigem Habenwollenfaktor LOL
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#3
hi scope
danke für die ausführliche Vorstellung, mir war er noch nie aufgefallen.
nachdem ich mir deine beschreibung und dazu das Manual mal angesehen habe, würde ich dieses Gerät
in die klasse der Arbeitspferde einordnen.
nicht herausragend schön, nicht aufwendig gebaut, eher praxisbetont mit durchschnittlichen Messwerten
aber ungewollt langlebig, eben ein Arbeitstier.

die optische philosophie von nad hat mich nie angesprochen(unaufregend zeitlos).
Diese gerätefamilie von nad würde ich mir persönlich nicht anschaffen oder irgendwo danach suchen.

gruß onkyo-boy
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#4
NAD war halt was für Schüler und Studenten, unschlagbar günstig. Gab es oft im Bundle mit dazu "passenden" Lautsprechern plus Dreher für weit unter 1000 Mark. Der hier vorgestellte 3020 war im Grunde der Nachfolger im Sinne von Beliebtheit des Teleton A-300, der seinerzeit auch nur 199 Mark kostete.
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#5
Der Teleton A300 war ja mal richtig fies mit seinen "ruckenden" Schiebereglern ...Wink3

Den hatte ein damaliger Freund gehabt. Ich hatte einen Receiver von "Tokyo"...der auch ziemlicher Müll war.
Gruß
scope
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#6
Den hatten zig Leute in meinem Freundeskreis, immer noch besser als mein damaliger Palladium von Neckermann.
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