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Kenwood KX-700 – Überholung ja oder nein – Bestandsaufnahme
#1
Ich bin unentschlossen…

Die Vorgeschichte. Das Kenwood KX-700 stammt aus Armins „Verkleinerungsaktion“ vom Juni 2018. Neben dem Kenny verließen damals auch ein Onkyo TA-2760, ein Akai GX-67 und ein Sony TC-K611S das Lager.

Der Plan war das Onkyo, das Akai und das Sony Tapedeck wieder fit zu machen und im Forum gegen Materialkosten + Porto anzubieten. Das Kenwood sollte als Zuspieler für meinen Sansui Six nach Überholung bleiben. Klick

Soweit der Plan. Seitdem ist eine Menge passiert und ich stelle viele Dinge in Frage. Das auszuführen wäre OT. An anderer Stelle zu einer anderen Zeit vielleicht.

Das KX-700…

Mein erster „Pult“-Kassettenrekorder“ in zeitgenössischer Holzoptik. Auszug Hifi-Wiki:

- Bauzeit 1973 – 75
- Neupreis 998,00 DM
- Gleichlaufschwankungen <0,1%
- Frequenzgang Normalband 25-13000Hz / Chromeband 25-16000Hz
- Klirrfaktor <2%
- Signalrauschabstand(Dolby/Normal) Normal: 55dB/45dB / Chrome 58dB/48dB
- Gewicht 5,9 kg

Die „Messwerte“ elektronischer Natur sind jetzt eher nicht der „Knaller“ – entsprechen aber dem was zu der Zeit der Produktion dem Standard entsprach. Der Neupreis wirkt ambitioniert. Fraglich ob der stimmt. Das Gewicht sind echt „schwere“ 5,9 kg.

Die Bestandsaufnahme. Erstmal den Staub der letzten Jahre entfernen. Optisch macht der Apparat keinen schlechten Eindruck. Bis auf eins zwei verschmerzbare Kratzer – eher Krätzerchen – und zwei kleine Stellen an denen sich die Holz Furnierung gelöst hat sieht man ihm die mehr als 40 Jahre nicht an. Da sehe ich bedeutend schlechter aus, wenn ich morgens in den Spiegel schaue. Der Netzstecker hat allerdings die beste Zeit hinter sich und bröckelt vor sich hin…

[Bild: dsc00340dxk8v.jpg]


Beim Entstauben ging mir eine Frage durch den Kopf. Die Bodenwanne ist aus Kunststoff. Die Front – der Deckel – ist ebenfalls aus Kunststoff. Wieso wiegt das Ding fast 6 kg? Ist der äußere Aluschnickschnack etwa kein dünnes Blech sondern aus „dem Vollen“ gefräst? Oder ist das „Woodcase“ aus japanesischem Bleibaum?

Also Aufschrauben und reinschauen. Interessant – hatte ich auch noch nicht das meiner zu groß ist und nicht tief genug rein geht. Notiz an mich: Die Löcher in der Bodenabdeckung sind konisch und verengen sich zur Schraube hin. Für die Demontage keine isolierten „Elektriker Schraubendreher“ verwenden!

Gerät vom Gehäuse befreit. Bodenwanne aus leichtem Kunststoff. Im „Deckel“ kein gefrästes Alu Vollmaterial. Auch das Woodcase nicht aus japanischem Bleibaum sondern eher „Leichtholz“ mit Kunststoff Furnier in Holz Optik. Vermutlich hat mein Recycling Klopapier einen größeren Holzanteil.

Nach entfernen von „200“ Gramm Gehäuse kommen die restlichen Kilo zum Vorschein. Das ist mal amtlicher „Maschinenbau“…

[Bild: dsc00341t7j0n.jpg]


Blick auf die Rückseite. Goil – sogar mir „extra Lüfter“…

[Bild: dsc00344j9kz3.jpg]


Da war ich etwas vorschnell. Kein „extra Lüfter“ - ein Antriebsmotor. Der einzige Motor im Gerät…

[Bild: dsc00342adkb1.jpg]


Treibt über einen Flachriemen die Schwungmasse auf der die Capstan Welle sitzt an. Die Wickel werden über ein Idler Rad angetrieben welches seine Drehung von der Schwungmasse der Capstan Welle abgreift. Das Zählwerk – Aussage noch nicht in Stein gemeißelt – wird auch über ein Idler Rad angetrieben. Die Drehung wird allem Anschein nach unterhalb der Schwungmasse dichter zur Achse hin abgegriffen. Dieser „Idler“ treib einen Rundriemen an, der über eine Umlenkachse über zwei Rollen das Zählwerk dreht…

[Bild: dsc00347pejh1.jpg]

[Bild: dsc0034612k74.jpg]


Die Antriebsmechanik hat schon was. Ein Blick auf die vordere Seite – das „Kassettenfach“. Eher unspäktakulär…

[Bild: dsc003546gksj.jpg]


Soweit die Mechanik. Die Elektronik gesichtet – „kalte“ Lötstellen. Nichts zu finden. Die Lötkontakte sind großzügig dimensioniert. Dementsprechend ordentlich Lötzinn stellt die Verbindung zu den elektronischen Bauteilen her. Kein passives Element wurde zu warm und auch kein Halbleiter wollte sich „befreien“. Die vier Schiebepotis sind leichtgängig. Ein mechanisches Kratzen ist nicht spürbar. Die Druckschalter lassen sich drücken und die Kippschalter bestätigen den Positionswechsel mit einem satten „KLACK“.

Elektrisch – primärseitig – lässt das Gerät keinen Wunsch zum Betrieb offen auch ohne Vorschalttrafo. Spannungsseitig für alles gerüstet. Egal ob 50 oder 60 Hz Netzfrequenz…

[Bild: dsc003522gkdl.jpg]

[Bild: dsc00353umkos.jpg]

[Bild: dsc00345eykjf.jpg]


Unbeleuchtet der weitere Betrieb in Deutschland mit 155V/90Hz via 8G. Wird man wohl oder übel nicht an einem Vorschaltgerät vorbei kommen. Aber bei dem „Wahnsinn der uns regiert“ ist so einiges denkbar. Vielleicht kommt auch eine Vorschrift die regelt, dass technische Geräte mit Motorbetrieb mit einer Drehmomentausgleichseinheit ausgestattet sein müssen, um die Rotation der Erde nicht zu beeinflussen. Wir dürfen gespannt sein ob diese Verordnung vor der Vorschrift Abgasreinigung für Feststoffausscheidungsorgane in Kraft tritt oder danach. Ich schweife ab.

Soweit zur Sichtung der Innereien. Elektrisch/elektronisch ist bis auf den kaputten Netzstecker nichts besorgniserregendes feststellbar. Die Riemen sind erstaunlicherweise noch „straff“. Die „Gummierung“ der Idler ist nicht mehr wirklich „weich“ sondern härtet so langsam aus. Die Mechanik ist alles in allem „gängig“ – muss aber überholt werden. Alle Drucktasten funktionieren soweit.

Nachdem ich den Apparat wieder zurück in sein Kleidchen geschraubt hatte, ein Probelauf. Einschalten, alle Lämpchen funktionieren. Da freut man sich…

[Bild: dsc00358cuk5x.jpg]


Grundsätzlich kann ich berichten, dass ein Geräusch bei der Wiedergabe von Fremdaufnahmen zu hören ist. Der Gleichlauf ist erstaunlich gut. Klingt weder dumpf noch hell. Grundsätzlich kann man das Geräusch der Charakteristik von Musik zuordnen. Der linke Kanal ist hörbar etwas leiser was die Aussteuerungsanzeige vom Pioneer CT-737 MK II optisch bestätigte. Ich konnte allerdings nicht ausschließen, dass das Signal bereits auf der Kassette auf dem linken Kanal etwas schwächer war. Kurze Überprüfung mit dem Pioneer. Pegel auf der Kassette auf beiden Kanälen gleichlaut. Interessante Feststellung beim Abspielen – die beiden VU Meter zeigen nicht den Aufnahmepegel der Kassette an, sondern die Wiedergabelautstärke welche mit den beiden Schiebereglern  „PLAY LEVEL“ kanalgetrennt eingestellt werden kann.

[Bild: dsc00383p5km5.jpg]

[Bild: dsc00394j9kb7.jpg]


Der erste Versuch eine Eigenaufnahme zu realisieren scheiterte erstmal daran, dass sich die „RECORD“ Taste nicht drücken ließ. Kurz die Kassette überprüft. Löschlasche vorhanden. Allerdings „klemmte“ der Fühler, der die Löschlasche abtastet. Ein Zeichen dafür, dass die Mechanik einer Reinigung bedarf und frisches Fett benötigt. Fehler behoben. Fühler wieder gängig gemacht. Zweiter Aufnahmeversuch. Als Musikquelle diente mein RPI mit DAC, während die Aussteuerungsanzeige vom Pioneer Deck die Lautstärke anzeigte. Über die beiden „REC LEVEL“ Schieberegler am Kenwood den Aufnahmepegel auf 0 dB geregelt mit leichten Peaks darüber. Es zeigte sich, dass bei gleicher Stellung der Schieberegler das linke VU Meter etwas weniger ausschlug. Könnte man vermuten, dass der Aufnahmepegel insgesamt neu abgeglichen werden müsste. Allerdings wirkt die Bewegung des linken VU Meters optisch etwas träger als das linke. Messung der elektronischen Werte wird hier Licht ins Dunkel bringen. Ist aber heute nicht die Aufgabenstellung. Erstellt habe ich zwei Aufnahmen. Einmal ohne Dolby und einmal mit.

[Bild: dsc00363wrkjk.jpg]


Gespannt wie die Aufnahme klingt, zurück gespult und Play gedrückt. Die Kassette läuft und nach 10 Sekunden kommt Geräusch. In dem Fall tatsächlich Geräusch. Hier von Musik zu sprechen wäre anmaßend. Meine Nackenhaare jedenfalls stellten sich auf und mein Gesichtsausdruck näherte sich optisch dem Aussehen von Pfannengyros mit Zwiebeln vor dem braten an. Die Aufnahme war frei von Höhen und der Bass klang nach „Mmmpfff Mmmpfff Mmmpfff“. Erinnerte mich stark ans abendliche Bad in der emaillierten Gussbadewanne in meiner Kindheit, wenn ich nicht raus wollte und untertauchte, während meine Mutter aus der Küche mahnend rief: „Oliver, du kommst jetzt sofort mpf Mmmpfff mpf mpf Mmmpfff Mmmpfff mpf kein Sandmann“! Lange konnte ich die Luft nicht anhalten. Mit Dolby veränderte sich Tauchtiefe in der Badewanne. Es wurde noch dumpfer.

Zu dem miesen Geräusch gesellten sich noch Gleichlaufschwanken, die klangen wie der Kollege auf der letzten Firmenfeier, der mir nach einem Kurzen nach dem letzten Kurzen, der ein Kurzer zu viel war, erklären wollte wie er alle Damen in der Firma flachlegen wollen würde, wenn er denn könnte. Zusammenfassend lässt sich zur Eigenaufnahme sagen, dass das Ergebnis erschütternd ist.

Jetzt habe ich eine Menge geschrieben. Das Problem ist aber soll ich das Gerät instand setzen oder nicht. Ich bin hin und her gerissen. Zum einen begeistert mich die anachronische Technik. Zum anderen ist es jetzt aber kein außergewöhnliches Tapedeck. Es ist und bleibt ein „Brot und Butter“ Gerät ohne technische Finessen. Es passt ganz gut zum Sansui Six. Auch der ist Einsteigerklasse was das Segment Receiver betrifft. Allerdings ist der schon was Feines was die technischen Qualitäten betrifft.

Im Moment reizt mich die Instandsetzung wenig. Mir fehlen zum einen die technischen Finessen. Dazu kommt, dass ich aktuell keinen Spaß mehr an Tapedecks habe. Geht mir aber auch bei allem anderen Equipment so. Es fühlt sich an als ob alles zur Last geworden ist. Nicht nur wenn es um Hifi geht. Es ist selten geworden, dass ich mich „vor die Anlage“ setze, abschalte und einfach nur Musik höre. Ich erkenne mich selbst nicht mehr wieder und erschrecke, wenn mir Gedanken des Aufgebens durch den Kopf gehen. Das kann es natürlich nicht sein. Aufgeben ist niemals eine Option. Das weiß ich auch. Aktuell gelingt es mir nicht mich aus dieser Krise zu befreien. Den richtigen Therapeuten zu finden ist schwer. Ich habe aber Hoffnung doch noch einen zu finden. Nicht nur Ihr wollt den Olli zurück. Ich will das umso mehr.

Ich denke es ist das Beste das Kenwood Tapedeck erstmal wieder einzulagern. Es ist nicht die richtige Zeit für diese Problemlösung.

Grüße aus Berlin
Olli
Furz... Da riecht was!
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#2
aber sowas von wollen wir dich hier aktiv dabei haben. Gut dass du das weißt.  
Und Geraffel kann auch mal "ein paar Tage rumstehen".  Drück die Daumen dass du einen Weg für dich findest.  Freunde 

LG Peter
"We learned more from a three minute record than we ever learned in school" , Bruce Springsteen in "No surrender" played als Song 2 im Mai 2013 in Hannover Dance3 Dance3
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#3
Der Panzer wird in jedem Fall bei guter Pflege die anderen Kandidaten um Jahrzehnte überleben. LOL Falls die Köpfe noch nicht verkurbelt sind, würde ich den auf den Küchentisch stellen und Potis, Schalter und Bandführung reinigen sowie die schlaffen und oder standgeschädigten Gummis wechseln. Im Zweifelsfalle läuft er danach wie an Tag 1 nach der Auslieferung. Und auf dem Papier steht er ja soo schlecht nicht da.

They do not build them like this anymore these days... Freunde 

Gruß,
Stefan
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#4
Respekt Olli  Hi   

drück Dir die Daumen Olli ...und hoffe, das de "Da" so schnell wie nur möglich wieder raus kommst und nen passenden bzw. nen richtigen Therapeuten findest.  Freunde



vielleicht zwar nur ein kleiner Trost ...... Denker aber Oli ..... wie Du selbst geschrieben hast: "Aufgeben ist keine Option" Nicht nur Ihr wollt den Olli zurück. Ich will das umso mehr. Thumbsup  


Denker  ähnlich geht´s mir seit Jahren auch ....  und nicht nur uns geht es manchmal so... Olli .. wir sind da nicht alleine.... never give up! 


Freunde i wünsch da was....  de Jürgen
Gruß Jürgen ... bis denne .....  Hi
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